Mehr oder weniger Lustiges rund um die Kisiizi Falls
Da stehen wir nun also vor den Kisiizi Falls, welche gerade sehr friedlich wirken. in der Regenzeit, bei mehr Wasser, ist die Wirkung dann doch wesentlich imposanter.

Unabhängig von der Wassermenge - friedlich waren diese Fälle über lange Zeit so oder so nicht.
An dieser Stelle ist ein kleiner Exkurs in die recht eigenwillige Gesetzgebung - beziehungsweise deren Umsetzung - in Uganda angesagt. Davon waren wir gerade auch bei den Vorbereitungsarbeiten für unseren Verein recht direkt betroffen.
Da sind einerseits die beiden strengen Gesetze betreffend Antiterror und Antigeldwäscherei, welche dazu führen, dass die Geldflüsse extrem reglementiert und überwacht werden. Die strengen Auflagen und Kontrollen - insbesondere was den Nachweis über die Herkunft der Mittel betrifft - führt dazu, dass grundsätzlich keine Schweizer Bank dazu bereit (weil schlicht nicht in der Lage) ist, für ihre Kunden eine vernünftige Geschäftsbeziehung mit Uganda bereitzustellen.
Neben den beiden bereits erwähnten Bereichen, kommt als Drittes die sehr restriktive Gesetzgebung bezüglich Antihomosexualität ins Spiel. Davon sind wir bei unserem Projekt insofern betroffen, als die Unterstützung von Schulen und Waisenhäusern zur Fehlinterpretation ehrenhafter Absichten führen kann, da - auch in Uganda - Homosexualität nur allzu oft mit Pädophilie gleichgesetzt wird.
Da der Homosexualität mit Reglementierung und Überwachung kaum beizukommen ist, braucht es hier zur Abschreckung klare Verbote und strenge Strafen - bis hin zur Todesstrafe.
Damit zurück zum Ausgangspunkt dieser Geschichte: Ebenso schwer wie der Homosexualität, ist (oder war) es, der Schande ausserehelicher Schwangerschaften beizukommen. Also sind auch hier strenge Strafen ein probables Mittel, das Problem anzugehen. Ich habe euch bereits von Punishment Island, der Insel (im namenlosen See) zur Deportation von Müttern in unehelicher Schwangerschaft, berichtet. In Ermangelung einer geeigneten Insel kann da natürlich auch ein Wasserfall gute Dienste leisten ...

Und damit zum Hintergrund des Denkmals:
Die schwangeren, unverheirateten Mütter wurden von ihren Familien zu den Kisiizi Falls gebracht.
Dort wurde aus dem Krug (1) mehr als genug Enturire, dem aufwändig hergestellten lokalen Bier, getrunken.
Sodann wurde die ledige Mutter an Armen und Beinen gefesselt und in der im Hauptbeitrag bereits erwähnten Sänfte (2) oben an den Wasserfall gebracht.
Dort wurde sie von den Angehörigen in den Abgrund gestossen(3).
Oft ist dabei auch der Vater des Ungeborenen, mehr oder weniger freiwillig mit in den Tod gegangen.
Diese Gräueltaten fanden erst ein Ende, als 1958 der aus Schottland stammende Dr. Sharp die Kisiizi Mission (4) ins Leben rief.
Fortan durften auch uneheliche Mütter zusammen mit ihren Kindern und Familien ein menschenwürdiges Leben (5) führen.
Zu Ehren des Missionars wurde am Fuss der Kisiizi Falls ein Mahnmal mit zugehöriger Gedenktafel (6) errichtet.
