Spontanbesuch am Ort des Geschehens

> 02.06.2024   > 03.06.2024   > 04.06.2024  > 05.06.2024   > 06.06.2024   > 07.06,2024   > 08.06.2024   > 09.06.2024   > 10.06.2024   > 11.06.2024   > 12.06.2024   > 13.06.2024

> pdf-Download ganzer Reiseblog
> Impressum Reiseblog

 

Sonntag, 2. Juni 2024

Aufbruchstimmung geprägt von Vorfreude und Respekt

Micha hat mich heute Nachmittag zum Flughafen gebracht. Von nun an gehts alleine weiter. In 36 Stunden werde ich wohlbehalten in der Kigezi Region eintreffen. Der Entscheid für diese Reise ist ebenso spontan wie kurzfristig gefallen. Die Situation verlangt nach konkreten Absprachen vor Ort, welche dem erfolgreichen Projektstart nach der langen, beschwerlichen Vorbereitungszeit zusätzlichen Schwung verleihen.

Da sitze ich nun im mehr als halb leeren Riesenvogel von Zürich nach Milano und habe gerade mal Mühe der surrealen Situation die Gewissheit abzugewinnen, dass ich soeben wirklich ganz alleine nach Afrika aufgebrochen bin. Die lange Reise wird mir einiges abverlangen – es ist nicht immer nur gut, mich mit meinen Gedanken ganz alleine losziehen zu lassen. Aber ich werde mein Bestes geben, die Zeit zu nutzen. Für mich persönlich, für die Mitstreitenden im Projekt und besonders für die Kinder von Kigezi.

Die B 787-9 hat mich sicher nach Milano und von dort weiter nach Addis Abeba gebracht. Und zwischenzeitlich bin ich mit der B 737-MAX in Entebbe eingetroffen – wo die Warterei am Immigration Desk fast so lange gedauert hat wie der Flug von Äthiopien nach Uganda.

Frisch geduscht und halbwegs ausgeruht gehts nun mit den Freunden von Kikooko (der Touroperator, welcher uns mit dem Uganda Virus infiziert hat) zum Wiedersehensdrink und dann zum gemeinsamen Abendessen, dem durchaus auch der Charakter eines Businesslunchs zukommen dürfte, werden wir uns doch auch bei dieser Gelegenheit ausführlich darüber austauschen, wie wir uns auch weiterhin gegenseitig unterstützen können.

> zurück

 

Montag, 3. Juni 2024

"Businesslunch" mit Kikooko

Klar fliesst beim heutigen Abendessen auch reichlich Bier. Dennoch, es ist weit mehr als ein feuchtfröhliches Wiedersehen. Mit Warren, Alex und Ivan werden Erinnerungen über unsere Ugandareise und das Zusammentreffen anlässlich der Ferienmesse aufgefrischt.

Mehrheitlich geht es aber um den weiteren Verlauf der Zusammenarbeit. Es stehen viele Ideen im Raum, von Naheliegendem bis zu Hirngespinsten wird alles angesprochen und diskutiert.

Die letzten Zweifel über Sinn und Unsinn meiner Spontanreise nach Uganda sind verflogen.

> zurück

 

 

Dienstag, 4. Juni 2024

AMAZIMA lebt

Es geht früh raus und mit dem ulkigen Kleinflugzeug von AeroLink vorerst von Entebbe nach Kihihi. Bis hierhin hat mich ein aufgestelltes internationales zehnköpfiges Helferteam begleitet, welches in der Region eine kleine Lodge aus Bambus erstellen geht. Für die letzte Etappe nach Kisoro geniesse ich nun Privatjetatmosphäre – ein Flugzeug mit zwei Piloten ganz für mich alleine …

Beim Flug über den Bwindi Forest, der Heimat der Berggorillas und den eindrücklich verästelten Lake Bunyonyi werden schöne Erinnerungen an die unvergessliche Reise von letztem Herbst wach.

Anschliessen das herzliche Wiedersehen mit Julius und Egidius, den Hauptverantwortlichen unserer lokalen Partnerorganisation Kigezi Orphans Project.

Auf der zweistündigen Fahrt nach Kabale, der grössten Stadt in der Region Kigezi, kommen all meine ersten Eindrücke von Uganda wieder hoch. Diesmal jedoch im tief verankerten Wissen darum, dass diese ersten Eindrücke das Alltagsleben im mehrheitlich sehr ländlichen Uganda wiedergeben.

Nach der Ankunft in meinem Hotel und einer kurzen Erfrischung treffen wir uns zu einem Briefing über das geplante Programm für die nächsten Tage. Insbesondere unterhalten wir uns auch über den bevorstehenden Tag, an dem wir ins Zentrum von Kigezi fahren werden um uns vertieft mit den Verantwortlichen der lokalen Community auszutauschen. Von Meetings und Speaches ist die Rede. Letztendlich geht es um Vertrauensbildung. Unser Engagement ist gerne gesehen und wird von den lokalen Projektverantwortlichen uneingeschränkt mitgetragen. Dennoch werden wir unsere hoch gesteckten Ziele nur erreichen können, wenn wir das absolute Vertrauen der ansässigen Bevölkerung geniessen.

Bei einheimischem Essen und etwas Tusker aus Kenia lassen wir den Abend ausklingen – mit der grossen Genugtuung, dass wir bis jetzt durchaus vieles sehr richtig gemacht haben, auch wir in der Schweiz. Und ich meine sehr wohl wir, auch wenn ich gegenwärtig gerade mal alleine in Uganda unterwegs bin.

 

Das Programm für meinen bevorstehenden Aufenthalt

> zurück

 

 

Mittwoch, 5. Juni 2024

The road from Switzerland ends in Kigezi

Die Strecke von meinem aktuellen Aufenthaltsort in Kabale bis zur Kigezi Community School beträgt etwas mehr als 40 km, was einer erfahrungsgemässen Reisedauer von ca. 30 Minuten entspricht – bei uns in der Schweiz. Bei guten Strassenverhältnissen sind das hier aber locker 2 ½ Stunden und bei Regen noch deutlich mehr. Bei Regen kommt es auch gerne mal vor, dass die Strassen gar nicht befahrbar sind.

Im Hinterkopf begleiten mich die Worte Meetings und Speaches. Bloss reichen in diesem Moment weder Vorstellungskraft noch Erwartungshaltung aus, diesen Begriffen Konkreteres abzugewinnen – was sich aber sehr schnell ändern wird. Mein Erstaunen darüber, dass wir heute Morgen überpünktlich losgefahren sind, verwandelt sich in dem Moment in Verständnis, als wir kurz vor Erreichen der Schule mitten im Wald plötzlich «Begleitschutz» erhalten.

Und unversehens ist mir absolut klar, was mich heute hier erwartet. Ich habe den unvergesslichen Empfang vom letzten Herbst im abgelegenen Dorf Dego vor Augen und erlebe sogleich ein Déjà-vu höchster Güte – inklusive Tränen in den Augen.

Was nun folgt, ist einmal mehr unbeschreiblich. Eine offenherzige, zweieinhalbstündige Zeremonie mit Gesang, Tanz und Ansprachen, weit mehr als Meetings und Speaches.

Das Hauptreferat der beiden lokalen Projektverantwortlichen, in dem auch die bisherige Projektentwicklung und die weitere Ausrichtung ausführlich erläutert wird, kann unter dem nachstehenden Link eingesehen werden.

> Hauptreferat der lokalen Projektveranwortlichen

Realistische Szenarien werden zu Luftschlössern ausgebaut. Die Erwartungen an den soeben erst gegründeten Verein AMAZIMA und die sich daraus ergeben sollenden Folgeorganisationen sind riesig. Da kommt was auf uns zu …
… zuerst aber glücklicherweise das liebevoll zubereitete Festessen aus endlos vielen lokalen Köstlichkeiten.

Auch wenn ich es als gerade nicht ganz richtig empfinde, ich kann damit umgehen, dass ich in diesem Moment als Ehrengast mit anscheinend übermächtigen Kräften vor der eindrücklichen Community stehe. Dennoch – und das habe ich gegenüber eben dieser Community in Feststimmung nicht unerwähnt gelassen – in diesem Moment bin ich auch etwas betrübt und beschämt darüber, dass ich ganz alleine, ohne meinen Projektpartner, der mich in diese ehrenvolle Aufgabe mit hineingezogen hat, dastehe. Ehre, wem Ehre gebührt.

Was die Kinder gesungen haben? Das steht oben im Titel des heutigen Reiseblogs. Unsere Reise hat zufälligerweise nach Kigezi geführt – dank etwas Geld, Impfung, Visum und Reisepass. Auch die Kinder von Kigezi benötigen auf der ihnen noch bevorstehenden langen Reise einen Pass: Education ist the Passport to life.

> VIDEOLINK

> zurück

 

 

Donnerstag, 6. Juni 2024

Die Schule von innen

Heute geht es zurück in die Schule. Auf der Hinfahrt erklären mir die beiden Hauptverantwortlichen des Kigezi Orphans Project, Julius und Egidius viel über das weitläufige, unwegsame Einzugsgebiet aus dem die Schülerinnen und Schüler der Kigezi Community School stammen. Mehr als die Hälfte der gegenwärtig 300 Schulkinder verbleiben während den Unterrichtsperioden ganzzeitlich in der Schule, da die Anfahrts- bzw. Anmarschwege sehr lange sind. Auch Julius ist in dieser Gegend aufgewachsen und hier entsprechend stark verwurzelt.

In der Schule angekommen habe ich erstmals ausführlich Zeit, mir einen wirklich vertieften Einblick in die Verhältnisse vor Ort zu verschaffen.

Neben mehreren einfachsten «Gebäuden» gibt es zwei solide Häuser.

Das eigentliche Schulhaus, welches 2018 dank einer einmaligen Spende Amerikanischer Besucher erstellt werden konnte, mit dem «Lehrerzimmer» und den drei «Büros» für die Administration, die Schulleitung und das Sekretariat (etwas viele Anführungszeichen - geht leider nicht anders) …

und den zehn Unterrichtsräumen …

von denen jedoch deren vier in Schlafräume für die vor Ort wohnenden Kinder umfunktioniert worden sind.

Die vier Kindergartenklassen sind derzeit in den schuppenähnlichen Nebengebäuden untergebracht.

Im zweiten festen Gebäude befinden sich der Vorratsraum sowie die Küche mit dem angrenzenden Schlafraum für das dreiköpfige Küchenteam. Hier werden unter einfachsten Bedingungen täglich die Malzeiten für 300 Kinder und die Mitarbeitenden zubereitet.

Am Nachmittag erhalte ich anlässlich eines ausgedehnten Meetings mit den Projektverantwortlichen, dem Schuldirektor, dem Schulleiter, der Schuladministratorin sowie sämtlichen Lehrpersonen, Betreuerinnen und übrigen Mitarbeitenden Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch, inklusive Einblick in das aktuelle – alles andere als erfreuliche – Budget.

Die konkreten Zahlen werden wir nach meiner Rückkehr gerne hier auf der Website präsentieren.

Vorerst gilt es überall Löcher zu stopfen. Die Verpflegung ist derzeit lediglich für den nächsten Monat gesichert, die Lohnzahlung für die Lehrpersonen sind drei Monate im Rückstand, das dringendst benötigte Mehrzweckgebäude kann nicht ewig warten.

Aber, neben den Luftschlössern gibt es auch klare, realistische Zukunftsstrategien. Wir sind gefordert – und wir sind zuversichtlich.

> VIDEOLINK

> zurück

 

 

Freitag, 7. Juni 2024

Von der Community School zur Highschool

Nach der späten Rückkehr am Vorabend gehen wir den heutigen Tag ruhig an. Beim gemeinsamen Mittagessen lassen wir die gestrigen Eindrücke nochmals Revue passieren.

Am Nachmittag besuchen wir zwei Highschools in der Region Kabale.

Dort darf ich mehrere ehemalige Schüler*innen aus der Kigezi Community School treffen und mich mit ihnen über den bisherigen Werdegang und ihre beruflichen Ziele unterhalten.

Den Abend lassen wir im Hinterhof einer Tankstelle ausklingen. Bloss ist das nicht irgendeine Tankstelle, sondern genau diejenige, an der uns vor ziemlich genau neun Monaten unser Guide kurz noch die beiden Inhaber des Tankstellenshops vorstellen wollte.

Die beiden hoch engagierten Männer, welche vor 12 Jahren damit begonnen haben, ein ehrgeiziges Schul- und Hilfsprojekt für die abgelegene Kigezi Community aufzubauen …

> zurück

 

 

Samstag, 8. Juni 2024

Alltagsleben in der Community

Falls du magst, darfst du uns mit dem nachstehenden Videolink gerne etwas auf der heutigen Fahrt zurück zur Kigezi Community begleiten.

> VIDEOLINK

Wir halten uns nur kurz in der Schule auf und begeben uns nach einer kleinen kulinarischen Stärkung zusammen mit einigen Begleitpersonen aus der Schule auf eine längere Wanderung.

Diese führt uns während gut vier Stunden durch die Hügel im Umfeld der Schule tief in und durch das Gebiet der Community.

Einmal mehr lässt sich das, was ich hier innert kürzester Zeit alles zu sehen bekomme und erfahren darf, kaum in Worte fassen. Die Landschaft und die Begegnungen mit der für den täglichen Lebensunterhalt arbeitenden und kämpfenden Bevölkerung lässt mich über weite Strecken der Wanderung in Gedanken versinken.

Das herzliche Gastrecht bei so vielen Mitgliedern der Community in ihren einfachsten Häusern zeugt von der bereits aussergewöhnlichen Verbundenheit der lokalen Bevölkerung mit den Hoffnungsträgern aus der Schweiz.

Die Angehörigen – mehrheitlich die Mütter, da viele Väter zu Corona Zeiten verstorben sind – erzählen uns von ihrem strengen Alltagsleben und der grossen Hoffnung, die sie in die Ausbildung ihrer Kinder setzen.

Diese vier Kinder wohnen zusammen mit der Mutter in einfachsten Verhältnissen und teilen sich das gemeinsame Nachtlager. Die Schule ist vor einigen Monaten auf sie aufmerksam geworden. Die Familie erhält gegenwärtig regelmässiges Essen von der Schule und die Kinder werden demnächst wieder gesund und stark genug sein um den Weg in die Schule bestreiten zu können.

Ich durfte auch einige Angehörige der Studierenden treffen, welche wir am Vortag in den Highschools besucht haben. Und ich war plötzlich unendlich froh und dankbar darüber, dass ich diese spontane Reise zurück nach Uganda angetreten bin. Es muss nicht unbedingt die Highschool sein. Aber, eines haben mir die wenn auch sehr unterschiedlich formulierten, doch deckungsgleichen) Aussagen von Studierenden und Angehörigen klar gemacht: Wenn sich Uganda in die erhoffte Unabhängigkeit weiterentwickeln will – und das muss es – führt kein Weg um die Ausbildung herum.
Dazu muss sich auch die Schule in eine eigenständige, nachhaltige Unabhängigkeit entwickeln und wachsen können. Die staatlich anerkannte und mittlerweile gut verankerte Kigezi Community School sollte weit mehr Kinder aufnehmen können als dies auf Grund der gegenwärtigen Infrastruktur möglich ist. Ein weiterer Ausbau kann jedoch leider erst dann ins Auge gefasst werden, wenn die Schule die, auch in finanzieller Hinsicht, angestrebte Unabhängigkeit erreicht hat.
Deshalb werden wir mit unserer Unterstützung vorerst bei den Grundbedürfnissen der Schule ansetzen: Genügend Verpflegung für alle und rechtzeitige Entrichtung der Lohnzahlungen an die Unterrichtenden und Mitarbeitenden. Alles andere muss warten – sogar das dringlichst benötigte Mehrzweckgebäude, welches unseren Projektstart entscheidend mitgeprägt und beschleunigt hat.

> LINK ZUM BILDERWURM

Für all diejenigen, welche mit den vielen Bildern überfordert sind – ich bin es auch. Wenn sich alles etwas gesetzt haben wird, gibt es dann bei mir back home im Juli ganz viel Gelegenheit, das Ganze am Grill mit etwas Bier, Wein oder einem Schluck Banana Gin in Ruhe zu verarbeiten. Näheres folgt in Kürze.

> zurück

 

 

Sonntag, 9. Juni 2024

Zu Besuch bei den lokalen Projektverantwortlichen

In Kabale beim grossen Kreisverkehrsplatz in Richtung Ruanda fahren und dann nach der zweiten Tankstelle rechts abbiegen. So wirst du das Haus von Julius problemlos finden. Dort hat Micha im letzten Herbst zwei Monate gewohnt, sich mit dem Kigezi Orphans Project auseinandergesetzt und sich regelmässig mit mir ausgetauscht.

Nun bin ich es, der hier ist und sich mit Micha laufend über die Erfahrungen vor Ort austauscht. Die Stimmung ist fröhlich-ausgelassen. Gemeinsam mit den Familien von Julius und Egidius und vielen ihrer Befreundeten geniessen wir den Abend.

Gegessen wird einmal mehr nicht einfach irgendetwas, sondern gerademal alles, was an Köstlichkeiten verfügbar ist.

Wer’s mag und wer’s verträgt trinkt dazu Enturire.

Bei mir werden erneut Erinnerungen an den Zaubertrank, den ich damals bei der Pfadi Taufe eingeflösst bekommen habe, wach. Einmal mehr gebe ich nach dem dritten Schluck auf. Zum Glück gibt’s da ja auch noch das bewährte Nile.

Der entspannten Atmosphäre zum Trotz, führen wir erneut ernsthafte Gespräche über die Weiterentwicklung unseres Projekts.
Von Kaffeeanbau und Imkerei ist die Rede. Ideen, die schon seit längerer Zeit im Raum stehen, aber erst dann umgesetzt werden können, wenn die Schule nicht mehr ständig mit den eigenen Grundbedürfnissen beschäftigt ist, sondern sich um die gezielte Weiterentwicklung der Community kümmern kann.
Wenn die "Amazima Trading Company" dereinst Kaffee exportieren wird, werden den hiesigen Bauern mehr als die gegenwärtigen 3 Dollar pro Kilogramm zukommen. Hier im Supermarket bezahlt man aktuell übrigens für das 500 Gramm Glas Nescafe um die 20 Dollar. Wertschöpfung in Ehren – bleibt bloss die Frage, wem diese Wertschöpfung zu Gute kommt.

Das tiefe Kommittent ist weder dem Enturire noch dem Nile geschuldet, sondern vielmehr dem gegenseitigen Einvernehmen über unser gemeinsames Projekt. Auch heute steht die Suche nach gemeinsamen Wegen und nach tragfähigen Lösungsansätzen im Vordergrund.

> zurück

 

 

Montag, 10. Juni 2024

Uganda hat viele Gesichter

Vor unserer ersten Reise wusste ich nur sehr wenig über Afrika und gerademal gar nichts über Uganda. Da gab es bloss einige Stereotype. So zum Beispiel, dass Uganda mehrheitlich aus Wüste besteht und die Menschen dort, wie in ganz Afrika, grundsätzlich schlecht und böse sind.  That’s it!
Aber, Uganda hat viele Gesichter. Ein weiteres davon werde ich heute kennenlernen. Die Fahrt führt uns aus Kabale hinaus in die Hügel, welche die Stadt umgeben. Und dann plötzlich diese Aussicht:

Hoch oben über dem Lake …

Wäre ich ein Influencer und nicht bloss ein Blogger, würde ich hier selbstverständlich den Namen nennen und hätte damit allenfalls bis ans Ende meines Lebens ausgesorgt. Was weder mich und schon gar nicht die Kinder von Kigezi wirklich weiterbringen würde.

Also werde ich den Namen bestenfalls gegen eine kleine Spende bekanntgeben.

https://donate.raisenow.io/yyyhs - so viel Werbung für unser Herzensprojekt gestehe ich mir an dieser Stelle zu …

Wer’s selber rausfindet, kann ja mal hinfahren. 220 Dollar für eine Übernachtung im Doppelzimmer, inklusive Frühstück. Kleine Hilfestellung: Im See gibt es 29 Inseln. Eine davon war dereinst für die Deportation von Müttern unehelicher Kinder reserviert. Heute ist sie unbewohnt.

Ich wiederhole mich: Uganda kennt Wertschöpfung. Die Frage bleibt weiterhin, wem diese Wertschöpfung zu Gute kommt.

Wenn wir dann mal aus dem Projektstart raus sind, werden wir sehr gerne auch konkrete Vorschläge für preiswerte Ugandareisen unterbreiten, die sowohl die Reiseveranstalter als auch das Land weiterbringen.

Auf der Rückfahrt dann gleich wieder ein ganz anderes Uganda:

Wir fahren alle paar Hundert Meter an kleinen und kleinsten Steinbrüchen vorbei. Hier trotzt die Landbevölkerung der Natur das tägliche Einkommen ab. Auch diese Ausgangsmaterialien für Baustoffe machen sehr oft den Umweg über Kenia, bevor sie dann in Uganda in weiterverarbeiteter Form wieder auf den Markt kommen. Der Landbevölkerung fehlt es schlicht an Investitionskapital um die Weiterverarbeitung – und damit auch die Wertschöpfung – im eigenen Land zu behalten.

Es ist weder unser Ziel, noch unsere Aufgabe, dieses Kapital nach Uganda zu bringen. Dieses muss sich das Land selbst erarbeiten. Wir möchten durch unsere Zuwendungen das menschliche Kapital fördern, eine zweckmässige Grundausbildung für möglichst viele Kinder aus der Region, in die uns der Zufall geführt hat.

> zurück

 

 

Dienstag, 11. Juni 2024

Abschiedstour mit spannenden Umwegen

Heute ist an Senior Driver George, seine beiden einheimischen Begleiter auszufahren. Zuerst lotsen sie mich zu einem ihrer Handelspartner, bei dem die Schule das täglich in grossen Mengen benötigte Maismehl, welches als Basis für die Grundernährung dient, einkauft. In der Regel erreichen Monatlich zwei Lieferungen zu je 1.5 Tonnen die Schule.

Das Tagesziel, einmal mehr die Community School, erreichen wir heute auf einem absichtlich gewählten Umweg. Gegen Mittag treffen wir in Kisiizi ein, einer ca. 15 km von Kigezi entfernte Nachbarcommunity.
Hier befindet auch das Spital, auf welches das Orphans Project bei Bedarf zurückgreifen kann. Eine erstaunlich gut ausgebaute und eingerichtete Pflegestätte mit verschiedensten Abteilungen vom Kinderspital bis zum Altersheim, deren Entstehung auf ein Missionarsprojekt in den späten 1950-er Jahren zurückgeht.

Auch die touristische Erschliessung der Kisiizi Falls geht auf diesen Ursprung zurück. Während einer kurzen Einführung im Visitors’ Centre erhalten wir Einblick in die Entstehungsgeschichte, bevor uns ein kleiner Fussmarsch zum Wasserfall führt.

In früheren Zeiten wurden wohlhabende, mehrheitlich aus England stammende, Besucherinnen und Besucher in solchen Sänften zum Wasserfall getragen.

Aber eben nicht ausschliesslich …

Da diese Geschichte den Rahmen des Reiseblogs deutlich sprengen würde, ist sie unter diesem Link eigenständig einsehbar:

> Mehr oder weniger Lustiges rund um die Kisiizi Falls

Das Wasser aus dem oberhalb der Community gelegenen Einzugsgebiet versorgt neben den Kisiizi Falls auch ein Kleinkraftwerk, das neben dem Spital und der Gemeinde auch die umliegende Region mit Elektrizität versorgt. Ebenso gerne wie ich mich mit den ansässigen Technikern recht lange über die Unterschiede zwischen ihrer Anlage und den Grimsel Kraftwerken ausgetauscht habe, werde ich euch bei passender Gelegenheit mehr über dieses Klein(st)kraftwerk erzählen.

Auf der Weiterfahrt nach Kigezi erhalte ich Gelegenheit, noch die eine oder andere Arbeitsstätte von ehemaligen Schülerinnen und Schüler aus «unserer» Schule zu besuchen. Unter anderem dieses kleine Nähatelier, in dem eine Bewohnerin aus der Community ihre Skills gegen ein bescheidenes Gehalt weitergeben kann.

Oben in der Schule angekommen erwarten mich – wie auf dieser Reise nun schon so oft - erneut einige Überraschungen:
- Ich kann miterleben wie das «Runoonko» zubereitet wird …
- welches wir anschliessend gemeinsam geniessen dürfen,
- bevor erneut Darbietungen der Kinder von Kigezi auf dem Programm stehen,
- letzte Ansprachen gehalten werden,
- für mich ein Baum gepflanzt wird
- und mir das Grundstück gezeigt wird, welches die Community an Micha und mich abtreten wird …
- um hier dereinst unser «Schweizer Haus» zu bauen

> VIDEOLINK

> zurück

 

 

Mittwoch, 12. Juni 2024

Letzte Erledigungen - letzte Überraschungen

An meinem letzten Tag in Kabale stehen noch einige kleinere Erledigungen auf dem Programm. Beispielsweise der Einkauf von etwas einheimischem Tee.

Also fahren wir schon mal zur nahegelegenen Fabrik. Um Zutritt zu erhalten setzen sich meine Gastgeber kurz mit dem Direktor in Verbindung, was darin «ausartet», dass wir von diesem erst einmal persönlich in seinem Büro empfangen werden.

Nach etwas Networking taucht sodann der Produktionsleiter auf und führt uns während der folgenden anderthalb Stunden durch die Fabrik. Seine hoch engagierten Ausführungen verleihen uns einen tiefen Einblick in den gesamten Produktionsprozess.

Daneben erfahren wir auch sehr viel über die komplexen Anforderungen, welche berücksichtigt werden müssen, um sich im hart umkämpften einheimischen Markt erfolgreich positionieren zu können.

Ich habe mir erlaubt, etwas mehr als die mir – ausnahmsweise – zugestandenen drei, vier Bilder aufzunehmen. Der nachstehende Videobeitrag bleibt indessen unkommentiert.

> VIDEOLINK

Auf der Rückfahrt habe ich bei einem kurzen Abstecher zu ihrer Schule endlich noch Gelegenheit, die je zwei Söhne von Julius und Egidius kennenzulernen.

Anschliessend wird die Rückfahrt zu meiner Unterkunft noch etwas hinausgeschoben. Vorerst geht’s noch ins Capricon, wo wir uns in einem Besprechungszimmer zu einem spontanen, abschliessenden Meeting mit Josef und Robert treffen. Zwei helle Köpfe, die uns mit ihren weitreichenden Kenntnissen – und ihrem Enthusiasmus – bei der Weiterentwicklung unserer künftigen Projekte tatkräftig und sachdienlich unterstützen werden.

> zurück

 

 

Donnerstag, 13. Juni 2024

Kurzweilige Rückreise

Frühmorgens werde ich von meinen beiden Gastgebern ein letztes Mal abgeholt. Die anderthalbstündige Fahrt führt durch gebirgiges Gelände von Kabale zum Airstrip von Kisoro.

In einer Textzeile des Songs, welche die Community School zur Zusammenarbeit zwischen dem Orphans Project und dem Verein Amazima produziert hat, steht:
«Kigezi is Switzerland of Uganda»

Die Verabschiedung ist herzlich und erstaunlich unsentimental – im Wissen darum, dass wir in den letzten Tagen gute Arbeit geleistet haben und dass wir uns zur Fortsetzung über kurz oder lange wiedersehen werden.

Während des mehrstündigen Stopovers in Entebbe lade ich doch endlich auch noch den Blogger zum Business Lunch ein.

Hat mich stolze 50'000 gekostet

Gegenwert?
Keine Ahnung, bin jetzt einheimisch …

 

P.S.

Während des Toilettenbesuchs lasse ich übrigens Laptop und Smartphone unbeaufsichtigt zurück. Ist alles noch da.

AMAZIMA heisst VERTRAUEN

> zurück

 

> pdf-Download ganzer Reiseblog

> Impressum Reiseblog