Verein AMAZIMA
Schweizer Partnerorganisation des KIGEZI ORPHANS PROJECT
NEWSLETTER JANUAR 2025
An alle, die uns und unserem Herzensprojekt wohlgesinnt gegenüberstehen
Liebe Freundinnen und Freunde des Vereins AMAZIMA
Die primäre Absicht dieses Newsletters war, euch endlich etwas ausführlicher über die mittel- und langfristigen Projektziele des Kigezi Orphans Project zu informieren. Über den langen Weg, den wir einzuschlagen gedenken – von der Stabilisierung des Schulbetriebs über eine tragfähige Infrastruktur der Schule bis hin zum letzten Schritt, der Errichtung einer langfristigen, selbsttragenden wirtschaftlich stabilen Kigezi Community im weitläufigen Einzugsgebiet der Schule.
Mit dem Robusta-Kaffee aus dem Hochland Ugandas kann auf einem qualitativ hochstehenden Produkt mit grosser Nachfrage zurückgegriffen werden. Die Nachfrage ist derzeit sogar weitaus grösser, als die aktuelle Produktion abzudecken vermag. Dennoch bleibt von der möglichen Wertschöpfung immer noch ein viel zu geringer Anteil für das Ursprungsland und die produzierenden Bauern übrig. Der lachende Dritte ist primär China. Trotz der steigenden Nachfrage verdienen die Kaffeebauern in Uganda keinen Cent mehr als bis anhin.
Wenn wir es dereinst schaffen, dass auch Europäische und Schweizer Importeure zu einem fairen Handel bereit sind, welcher der lokalen Bevölkerung das bringt, was ihr zusteht, dann werden wir unser Hauptziel erreicht haben. Den Weg dorthin muss Uganda grundsätzlich selbst bestimmen und auch selbst bewältigen. Aber wir können mit unserer Unterstützung an der Basis einen wertvollen Beitrag dazu leisten.
Mehr dazu im Artikel von NTV, den wir für euch nachfolgend aufbereitet haben.
Und anschliessend dann eben leider noch das ganz grosse ABER – welches leider zu einer leichten Entfremdung der ursprünglichen Absicht hinter dem Newsletter führt ...
Quelle: ntv.de
Wetterextreme zerstören grosse Teile der Kaffee-Ernte in Südamerika und Asien. Auf der Suche nach neuen Lieferanten werden europäische Kunden in Uganda fündig, doch ein neuer Konkurrent war schneller: China entdeckt den Kaffee für sich und verzückt ugandische Hersteller.
In Uganda herrscht Goldgräberstimmung. Kaffeebauern in dem ostafrikanischen Land können derzeit nicht schnell genug die satten roten Kaffeekirschen ernten. Die Wiege des Robusta-Kaffees ist plötzlich ein international wichtiger Kaffeeproduzent, weil Wetterextreme die Ernte in Brasilien und Vietnam, Europas Hauptlieferanten, zerstören. Internationale Kaffeepreise steigen auf Rekordhöhe. Kleinbauern in Uganda hingegen haben nie mehr für einen Sack Bohnen verdient. "Auf nach Uganda", so würde man meinen, lautet die Devise europäischer Einkäufer. Doch sie sind zu spät: Die Chinesen waren schneller und auch Diebe. Sie haben ugandische Kaffeeplantagen als neue Einkommensquelle entdeckt.
Ronald Bule ist ein kräftiger, einflussreicher Mann im Wakiso-Distrikt unweit des Victoriasees. Schon sein Grossvater baute hier, unweit des Äquators, Robusta-Kaffee an. "Er trug immer eine Krawatte auf dem Feld. Jeder hier sprach darüber", erzählt uns Ronald lachend. Die Krawatte hat er abgelegt, und dennoch hält Ronald Bule die Familientradition aufrecht: Bei der Arbeit auf seiner Plantage in Bulwanyi-Maya ist er immer adrett gekleidet. Ein Hemd mit Kragen ist das Minimum, das weiss jeder. Und natürlich auch, dass Ronald Bule inzwischen die meisten Kaffeesträucher der Kooperative besitzt, der 13.500 Kleinbauern angehören.
"Kaffee ist mein Leben. Ich baue seit Kindestagen an und exportiere auch nach Deutschland. Aber Preise wie diese habe ich noch nie erlebt", sagt Ronald Bule über die jüngsten Entwicklungen auf dem Weltmarkt. Der Wert eines Sacks ugandischen Robusta-Kaffee hat sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt. "Ich bin mir sicher, der Preis wird noch weiter steigen."
Weltweite Ernteausfälle
Wie andere afrikanische Kaffeeproduzenten profitiert auch Uganda von Ernteausfällen der bisherigen europäischen Lieferanten in Asien und Südamerika. Weniger Kaffee bedeutet höhere Preise. Alternativmärkte mit grossem Wachstumspotenzial wie Uganda sind wichtig, um die Preise auch für deutsche Verbraucher niedrig zu halten. "Alle kommen momentan zu uns", sagt Ronald Bule. Auch immer mehr Europäer. Aber die seien nicht ausschlaggebend.
Ronald Bule steht in der lauten Kaffeeabfüllablage seiner Kooperative CECOFA, in der er als Vorstand agiert. Es ist viel los. Auf klapprigen Lieferwagen treffen ständig neue Säcke frischer, in der Sonne getrockneter Kaffeebohnen ein. Sie werden manuell abgeladen und aufbereitet. "Da, die sind fertig", sagt Bule. "EXPORT" steht in grossen Lettern auf den Säcken. "Bitte, das hier ist unser bester Kunde."
"Die Europäer müssen sich vorsehen"
Ronald Bule verneigt sich vor einem Mann mit gelbem Helm und weissem Kittel. Er zerdrückt probeweise Kaffeebohnen zwischen seinen Fingern. Riecht an ihnen. "Good, good."
Subi Bayliyung nickt enthusiastisch. Er ist Einkäufer von Equador Peak Coffee, einem chinesischen Kaffeehaus in Yiwu in der Provinz Zhejiang. Organisch. Hochwertig.
"Die Europäer sind zwar noch an unserer Ware interessiert, aber sie müssen sich vorsehen", warnt Ronald Bule. "Die Chinesen sind neue Kunden auf dem Kaffeemarkt, sie kommen besonders jetzt zu uns, persönlich. Sie bleiben vor Ort und sie bezahlen uns im Voraus. Die Europäer weigern sich, das zu tun."
China kauft komplette Ernte
Einkäufer wie Subi Bayliyung haben weitsichtig schon vor sechs Monaten auf ugandischen Robusta-Kaffee umgesattelt und sich so niedrigere Preise gesichert. Jetzt holen sie ihre Ernte ab.
"Immer mehr Chinesen trinken Kaffee. Unsere lokale Produktion ist aber zu klein. Also kaufen wir zunehmend mehr Kaffee in Alternativmärkten wie Uganda", sagt Subi Bayliyung. Er tippt seine Antworten in eine Übersetzung-App auf seinem Handy. Die Ergebnisse schickt er per WhatsApp an Ronald Bule. Wortlos kommunizieren die beiden so stundenlang, machen sogar Witze und lachen.
Der Chinese hat die komplette Ernte der Kaffee-Kooperative aufgekauft. Während in deutschen Läden der Kaffeepreis steigt und Einkäufer nach alternativen Märkten suchen, hat China längst Verträge abgeschlossen und transportiert säckeweise wertvollen Kaffee ab. Zum Schaden deutscher Konsumenten.
Bisher nur ein Nebenverdienst
"Wir ermuntern unsere Bauern, mehr Kaffee anzubauen. Es gibt viel Potenzial nach oben", sagt Paul Sepuuya, Produktmanager der Kooperative CECOFA. "Unsere Mitglieder besitzen im Schnitt nur 0,4 Hektar. Das ist nicht viel, aber wir dafür sind viele." Und jede Bohne ist 100 Prozent organisch produziert sowie Fair Trade zertifiziert. Auf dem deutschen Markt ein Produkt höchster Qualität, in Uganda bisher nur ein Nebenverdienst. Neben Äthiopien ist Uganda allerdings das einzige afrikanische Land, in dem die klimatischen Bedingungen zwei Kaffee-Ernten pro Jahr ermöglichen.
Die Kunde vom "neuen Gold auf ugandischen Plantagen" hat sich herumgesprochen, auch in anderen Gesellschaftsbereichen. "Gestern haben wir wieder einen Dieb geschnappt", erzählt Ronald Bule. Er marschiert den schmalen, mit Gras überwachsenen Weg durch eine Mischung von Bananenpflanzen und Kaffeesträuchern. Überall hängen satte grüne und viele rote Kaffeekirschen. Sie sind bereit, gepflückt zu werden. Alles Handarbeit.
Ronald Bule geht flink über die Äste, katapultiert die roten Kaffeekirschen in einen Sack. Hinter ihm stehen zwei junge Männer. Abgenutzte Khaki-Hemden, schwarze Hosen, Gummistiefel und zwei grosse Macheten in der Hand. "Wir patrouillieren 24 Stunden lang, tagsüber zu zweit, nachts zu viert mit Hunden", sagt Schichtleiter Paul Shakubo.
Der junge Mann schaut sich regelmässig um, läuft fast lautlos, die Knie ständig gebeugt. "Der Dieb hatte den ganzen Sack voll mit Kaffee", sagt er. "Wir haben ihn der Polizei übergeben."
Der Schwarzmarkt wächst
Ronald Bule zieht seine Augenbrauen hoch. "Der Schaden ist gross. Sie reissen ganze Äste ab. Sie klauen nicht nur, sie zerstören auch meine Büsche."
Mit steigenden Kaffeepreisen wächst auch der Schwarzmarkt für den illegalen Kaffee in Uganda. "Sie stehlen und verkaufen an Mittelmänner, die Beziehungen zu Exporteuren haben", sagt Bule. So gelangt gestohlener Kaffee in offizielle Exportketten, zu einem kleinen Teil auch nach Deutschland. Die Kooperative verliert auf diese Weise etwa ein Prozent ihrer Ernte, doch es wird jeden Tag mehr. "Das bekommen wir aber unter Kontrolle", meint Bule zuversichtlich. "Ich bin sicher, uns stehen grosse Zeiten bevor."
Ronald Bule setzt sich neben Subi Bayliyung auf die Treppe vor seiner Abfüllanlage. Subi ist übrigens nicht der echte Vorname des chinesischen Einkäufers. Die ugandischen Kaffeebauern haben ihn so getauft, in der lokalen Sprache bedeutet "Subi" Hoffnung. "Stell Dir mal vor, nur jeder zweite Chinese trinkt zukünftig jeden Tag einen Kaffee", sagt Bule lachend. "Das wird der Wahnsinn." Grund genug, beim Ernten vielleicht doch wieder eine Krawatte zu tragen.
Der Weg zum grossen Endziel führt über die mittelfristigen Ziele und Beginnt da wo wir jetzt stehen – ganz am Anfang: Die Altlasten der viel zu schnell gewachsenen Schule sind wesentlich grösser als wir uns das beim Projektstart vorgestellt haben. So werden wir derzeit laufend mit – berechtigten – Hilferufen konfrontiert.
Die Situation betreffend Lehrerlöhnen ist soweit stabilisiert, dass nicht gerade Feuer im Dach herrsch. Stabil sieht anders aus, aber immerhin so was wie in einem – wenn auch sehr labilen – Gleichgewicht.
Demgegenüber sieht die Situation im Bereich der Nahrungsmittel düster aus. Die nachstehende Textpassage findet sich auch auf der Rückseite der aktuellen Flyer wieder:
Seit der Startphase unseres Herzensprojekts im Frühjahr 2024 rennen wir der Vergangenheit – hoffnungsvoll und nicht hoffnungslos - hinterher ...
Damit die 300 Schülerinnen und Schüler auch zu Beginn des nächsten Semesters ab Februar 2025 verpflegt werden können, ist es unabkömmlich, die in den letzten Jahren – vor unserem Engagement - auf-gelaufenen Zahlungsrückstände bei den Lieferanten der Grundnahrungsmittel schneller zu begleichen als wir uns das vorgestellt haben.
Es braucht einen kurzfristigen Sondereffort unsererseits, damit wir – also die Kigezi Community School – nicht auf der Strecke bleibt. Die «School» ist nicht einfach eine anonyme Institution. Sie ist die künftige Lebensgrundlage tausender (Waisen)kinder, das Lebenswerk der beiden lokalen Projektverantwortlichen mit all ihren Unterstützern vor Ort und derzeit auch unser Herzensprojekt – hoffentlich noch lange.
Bitte helft mit, unser kurzfristiges Anliegen auf direktem Weg in euer persönliches Umfeld hinauszutragen – im Bekanntenkreis, am Arbeitsort, in der Freizeit oder wo auch immer.
Herzlichen Dank für eure Unterstützung!
Freundliche Grüsse
VEREIN AMAZIMA
Jürg König, Co-Präsident Micha Bärtschi, Co-Präsident